Mediation

Streiten? - ja! - Aber wie?

Mediation überlegt, wie wir streiten. Wie wir so streiten können, dass es nicht mehr Sieger und Verlierer gibt. Wie wir nach einem Streit noch oder wieder miteinander reden und umgehen können. Schließlich: Wie uns Konflikte bereichern können. Utopisch?

Nach Wirtschaft und Jurisprudenz ist inzwischen auch in Schule Mediation angekommen. Zugegeben: Lernen, wie man richtig streitet, ist nicht ganz so einfach. Je früher man damit anfängt und je selbstverständlich das ist, desto besser.

Aus amerikanischen Schulen kam die Idee der ehrenamtlichen "Konfliktmanager": Ausgebildete Schüler, die mehr oder weniger heftige Streitereien zwischen Schülern beizulegen lernen, die geschult werden, formelle Streitschlichtungen zu leiten und zu begleiten. Das ist eine Seite der Mediation.

Aber Mediation ist mehr und besser als das Ausbilden von "Schlichtungs"-Profis, bei denen wir unsere Probleme "abgeben" können.

An der Stiftsschule beginnt Mediation in den fünften Klassen. Streitgeschichten werden dort gelesen, nacherzählt und analysiert. "Streitanteile nennen" wird geübt. Dabei erkennt man, dass an einem Streit immer mindestens zwei beteiligt sind. Eine erste Schwierigkeit ist schon, die Rollen der Streitenden zu wechseln. Nicht Recht haben oder geben, einfach wahrnehmen.

Mit den Augen des und der anderen den gleichen Streit sehen. Das ist eine schwierige, aber großartige Sache. Im nächsten Schritt werden auch die Gefühle beim Streiten in Worte gefasst: war ich zornig oder ängstlich? Welche Emotionen verspürt ein anderer, wenn ich ihn hänsele: Angst oder Wut? Trauer oder Zorn?

Das Ziel ist nicht in vier Wochen zu erreichen, auch nicht in vier Monaten. Vielleicht in Jahren. Schrittweise lernen, sich in andere zu versetzen. Taten und Gefühle aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Wenn man das gelernt hat, bricht man Brücken nicht mehr einfach ab.

Die eigene Wahrnehmung ändert sich: Jemand, der mit mir streitet, ist nicht einfach böse, er erlebt und bewertet mein eigenes Verhalten und Situationen einfach nur anders, als ich selbst das tue. Ich kann lernen, Positionen zu wechseln. Und sie schließlich nebeneinander bestehen lassen und Vermittlung suchen.

Streiten tut gut. Richtig streiten will gelernt sein. Je früher desto besser. Die Geschichte der beiden Esel macht deutlich: Menschen sind immer aufeinander angewiesen. - So wie die beiden Esel nicht voneinander los kommen.

Kreativität wird freigesetzt, wenn Streitende sich in die Augen schauen, in Gedanken die Rollen tauschen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Das gilt im Kleinen wie im Großen.

Johanneshaus & Mensa

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Das Stiftsschul-Buch