Inhaltsseite

Tatort – Lara will absolut nicht sterben…

Waren Sie schon einmal live bei einer Tatortproduktion dabei? Falls ja, dann wahrscheinlich bei der Theateraufführung der Theater AG der Mittelstufe der Stiftsschule, denn die hatte eingeladen, um dabei zu sein, wenn ein Tatort gedreht wird, der aber niemals gesendet werden wird. Was man als Zuschauer am Ende durchaus bedauern durfte, denn die Kollegen im Münsteraner Tatort könnten sich von den Amöneburger „Filmhelden“ noch einiges abschauen, wenn es um Komik, Drehbuch, richtige Auswahl der Schauspieler und natürlich die passende Story geht!

In der Inszenierung wurde schon sehr bald deutlich, dass die Schülerinnen und Schüler für ihre Inszenierung den Aufbau eines typischen Tatorts genauestens studiert hatten, um den „Geheimcode“ eines jeden Tatorts auf sehr humorvolle Art offenzulegen.

Dies beginnt beispielsweise bei der Wahl des Täter-Opfer-Umfelds. Der Zuschauer erwartet ein bestimmtes Milieu. Am besten eine gutsituierte bürgerliche Familie, die hinter der sauberen Fassade mit innerfamiliärem Zwist zu kämpfen hat. Gleich zu Beginn ist das Tatmotiv schon da und der aufmerksame Zuschauer kann nun mit ermitteln. Geld und Habgier sind ein typisches Tatmotiv. In diesem Fall soll Lara Tod (Emma Fisbeck), die Tochter des verstorbenen Vaters mit ihrem 18. Geburtstag das ganze Familienvermögen erben, was natürlich unbedingt zu verhindern ist und dieser Geburtstag steht nun kurz bevor.

Wie es der Zufall oder die Planung so will, bleibt das Auto dort mit einer Panne liegen, wo es für den gedungenen Mörder leicht werden wird sein Opfer zu töten. Zwei Wege, um Hilfe zu holen stehen der jungen Frau offen: Entweder sie nutzt die beleuchtete Hauptstraße oder sie wählt die dunkle unheimliche Gasse. Selbstverständlich läuft Lara Tod in ihr Verderben in der dunklen Gasse, wo natürlich der Mörder wartet, um sein Opfer zu erschießen. Nach Auffinden der Leiche, die sich, obwohl tot, vor den Augen der ermittelnden Beamten (Emma Schiller, Marit Kläs) immer wieder bewegt, vom Gerichtsmediziner Dr. Karl (Amos Weidenhagen) untersucht wird, der viele mögliche Todesursachen sogleich ausschließt. Beispielsweise stellt er fest, dass das Opfer nicht süßlich riecht, also ist eine Vergiftung auszuschließen, so der Experte. Für die Kommissarin Hella Bock (Katarina Wolf) und seinen Sergeant – ein Dienstrang, der der deutschen Polizei unbekannt ist, aber wer wird schon so kleinlich sein – ist das Ermitteln natürlich schwierig, so lange die Todesursache nicht feststeht und es dauert eine Weile bis Dr. Karl dann doch die Schusswunden als ursächlich für das unfreiwillige Ableben der arroganten jungen Dame, feststellt. Noch ein Schuss Sozialkritik gefällig? Der Zuschauer darf nun mit der Kommissarin im Milieu der sozialen Unterschicht und im Junky- und und Dealermilieu im Trüben stochern und dort den ersten Hauptverdächtigen, Tim Land (Paul-Rudolf Wichert) ohne zwingendes Alibi, aber auch ohne richtiges Tatmotiv kennenlernen und weiß sogleich als Tatort-Erfahrener, dass der nun vorläufig Festgenommene niemals der Täter sein kann. Ein kaputtes privates Umfeld beim ermittelnden Beamten darf natürlich nicht fehlen. Kim Bock (Mira Juraschka), die Tochter der Kommissarin, ist im Umfeld des Verdächtigen über den Junky Conny (Louisa von Haugwitz) zu finden und damit irgendwie in die Sache verstrickt. Permanent macht der Staatsanwalt (Hannes Tänzer) Druck, weil die Presse endlich Informationen verlangt. Als dann deutlich wird, dass der Verdächtige nicht der Täter sein kann, beginnt die Arbeit quasi von vorn und nun gerät endlich – ach wie naheliegend wäre es gewesen – die Familie des Opfers ins Visier der Polizei. Nun weiß der Zuschauer auch wohin der Täter, den er ja schon kennt, gehört: Boris Kill (David Schneider) ist der Hausangestellte in der Familie des Opfers und hat im Auftrag der Mutter des Opfers, Martina Tod (Marlene Jennemann), den Mord durchgeführt.

Langanhaltender Applaus und die Kommentare der Theaterbesucher machten deutlich: Diese Tatort-Komödie hätte auch gerne noch viel länger als 90 Minuten dauern dürfen! Das lag nicht nur an der wirklich lustigen Geschichte, sondern insbesondere am ausdrucksstarken Spiel der jungen Schauspieler und der wahrlich erfrischenden Moderation von Esther Dürolf und Nina Hoffbauer. Einmal mehr sind Petra Städer und Stefan Völker als Leiter der Theater-AG für diesen Erfolg  verantwortlich.

Jan-Gernot Wichert  

Nina Hofbauer Moderatorin
Esther Dürolf Moderatorin
Katharina Wolf Hella Bock (Kommissarin)
Mira Juraschka Kim Bock (Tochter)
Louisa von Haugwitz Conny Finz (Drogenabhängige)
Marlene Jennemann Martina Tod (Mutter des Opfers)
Emma Fisbeck Lara Tod (Opfer)
Emma Schiller Sally Knuff (Polizistin)
Marit Kläs Marie Wolf (Polizistin)
Amos Weidenhagen Doktor Karl (Gerichtsmediziner)
Paul-Rudolf Wichert Tim Lanz (Hauptverdächtiger)
Hannes Tänzer (Staatsanwalt)
David Schneider Boris Kill (Mörder/Butler von Frau Tod)

Wer sind wir...