Stiftsschüler widmen sich der Solarsatzung

Marburger Fachbereichsleiter war zu Gast

von Teresa Hilfemann, Chantal-Michèle Herrmann und Till-Bastian Fehringer  
Amöneburg. Schüler der Jahrgangsstufe 11 griffen im Unterricht das Thema Solarsatzung auf. Der Plan der Stadt Marburg, durch die Satzung Gebäudeeigentümer bei Neubauten oder Sanierungen zum Einbau solarthermischer Anlagen zu verpflichten, wurde politisch und juristisch weit über die Stadtgrenzen hinaus kontrovers diskutiert. Derzeit beschäftigt sich das Gießener Verwaltungsgericht mit der solaren Baupflicht.
Die Elftklässler der Stiftsschule hatten nun die Gelegenheit, sich über das Thema mit einem Experten zu unterhalten: Jürgen Rausch, der Marburger Fachbereichsleiter Planen, Bauen, Umwelt besuchte sie im Unterricht. Studienreferendar Till-Bastian Fehringer hatte zuvor "Klimaschutz durch Einsicht oder Zwang und das Spannungsfeld aus ökologischen und ökonomischen Fragen" als Thema einer Examensreihe im Fach Politik und Wirtschaft ausgewählt.
"Im Unterricht können wir solche Debatten immer nur simulieren. Schule zu öffnen und Experten zu aktuellen und lokalen Themen einzuladen, fördert nicht zuletzt die politische Urteilsbildung", erklärte Fehringer. In der rund einstündigen Veranstaltung präsentierte Rausch zunächst das Gesamtpaket an umweltpolitischen Initiativen der Stadt Marburg, die "nicht nur fordere, sondern auch fördere".
Im Anschluss stand der ehemalige Stiftsschüler den Jugendlichen Rede und Antwort. Lisa Heinrichs und Kristin Neubauer moderierten die Veranstaltung in der Fragen zum Beispiel in Richtung Wirtschaftsund Sozialverträglichkeit zielten. Auf die Frage, ob Klimaschutz durch Zwang durchzusetzen sei, antwortete Rausch, dass es natürlich eine generelle politische Frage sei, inwieweit der Staat regulieren solle. Gesetze in der Umweltpolitik hätten aber ihre Berechtigung, da man sich nicht immer auf eine Eigendynamik der Bürger verlassen dürfe. "Nachhaltige Konzepte sind entscheidend für die Zukunft der Menschheit", sagte Rausch und schloss dabei neben ökologischen auch soziale und wirtschaftliche Gesichtspunkte mit ein. Die Solarsatzung sei auf die lokalen Begebenheiten zugeschnitten.
"Wir müssen über reine Analysen und Bestandsaufnahmen zu Umweltproblemen und Klimaveränderungen hinaus auch konkrete Lösungsansätze verfolgen. Wir fangen in Marburg damit an", ergänzte Rausch und freute sich, dass sich die Schüler mit dem Thema beschäftigen. Dabei machte er keinen Hehl aus der gespaltenen Resonanz der Marburger Bürger.

9.6.2009

Quelle: Oberhessische Presse vom 9.6.2009

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