Biologie

Ist das jetzt ein geflecktes oder ein schmalblättriges Knabenkraut…?

- Ökologische Exkursion der Biologie-LKs Koch und Schierl zum Sudelfeld, Bayrischzell –

„94 Orchideen in einem Gebiet von 100 m², das ist fast eine Orchidee pro m²!“ Philipp, Mitglied im Biologie-Leistungskurs der Jahrgangsstufe Q2 kommt aus dem Schwärmen nicht heraus.
Drei volle Tage untersuchen die Jugendlichen verschiedene Pflanzengesellschaften im Sudelfeldgebiet bei Bayrischzell. Bewaffnet mit Bestimmungsbüchern, Lupen und Kameras wird fotografiert, gezählt, bestimmt und gezeichnet. Kathrin meint, „Ich fand es gut, dass man das Gebiet und die Themen selbstständig bearbeiten konnte. Die Arbeit war sehr abwechslungsreich.“


Wiesenkerbel, Frauenmantel, Lichtnelke und Wilder Thymian, Pflanzen, die auch in unseren Breiten fast überall zu finden sind, stehen neben Besonderheiten, wie Europäischer Trollblume, dem bitterschmeckenden Kreuzblümchen oder dem großen Klappertopf.
Den Biologinnen und Biologen kommen aber auch Namen wie Pestasitis albus, Phyteuma orbiculare oder gar Cephalanthera damasonia leicht über die Lippen. Seit dem 18. Jahrhundert bekommt, nach dem System des schwedischen Naturforschers Carl von Linné jede Pflanze einen Gattungs- und einen Artnamen, die oft sehr viel über deren Aussehen oder Vorlieben erzählen. So sagt der Name Trifolium aus, dass der Klee, wie jeder weiß, dreiblättrig ist und der Zusatz pratense trägt dem Umstand Rechnung, dass man ihn meist auf Wiesen findet.


 
„An einer Stelle unseres Gebietes kommen ganz viele Exemplare des Klappertopfs vor, direkt daneben gar keine – woran kann das wohl liegen?“, sagt Johanna und zeigt auf eine Ecke ihres stark abschüssigen Untersuchungsgebiets, das von den Blüten der hübschen Pflanze gelb gefärbt ist. Ein anderer Bereich erstrahlt in leuchtendem Rotviolett, der Farbe der Flockenblume. Abhängig vom Untergrund, der Sonneneinstrahlung oder der Hangneigung des Biotops finden ausgesprochene Spezialisten oder aber Generalisten ihren Standort. Je größer die Konkurrenz im Lebensraum, desto wahrscheinlicher ist es, dass nur speziell angepasste Arten sich dort durchsetzen können und andere, weniger gut adaptierte Spezies verdrängen.


 
Jetzt, Anfang Juni beginnen hier, in 800-1200 m Höhe des Alpenvorlands, viele Arten erst mit der Blüte, die in unseren Breiten schon vor einem Monat ihre Blütezeit beendet haben. Das wird auch bei der Waldführung durch Förster Kornder deutlich. Waldmeister blüht hier noch neben der Einbeere, dem Bingelkraut und dem kleinen Baldrian. Zwischen jungen Heidelbeerbüschen und kleinen Sträuchern findet man auch Schösslinge vom „Brotbaum“ der Waldwirtschaft, der Fichte, aber auch von Buche und Ahorn. „Solche vielgestaltigen Pflanzengesellschaften können die durch Windbruch oder Waldlawinen entstandenen Lücken sehr leicht schließen“, erklärt Kornder. Wirklich aussagekräftige Ergebnisse über die durch Wildverbiss unbeeinflusste Zusammensetzung der Waldpflanzen geben aber nur mit Zäunen eingefriedete Bereiche, die in regelmäßigen Abständen bestimmt und ausgezählt werden.


Diese Biotopkartierung ist der Arbeit der angehenden Biologen sehr ähnlich. Gestochen scharfe Fotos von Blütenpflanzen, Karten mit Geländeprofilen und Höhenlinien, botanisch und künstlerisch anspruchsvolle Zeichnungen sowie Statistiken über die Anzahl der Pflanzen im Biotop - alles zusammen dient den Forschergruppen in der abschließenden Präsentation zur Illustration ihrer Ergebnisse und verdeutlicht eindrucksvoll, wie konzentriert und intensiv sich die 45 Schülerinnen und Schüler mit ihrem Biotop beschäftigt haben. „Immer wenn ich jetzt über eine Wiese gehe muss ich gucken, welche Pflanze ich kenne,“ meint Maria und macht damit klar, dass die Eindrücke und Erkenntnisse noch lange über die Exkursion und den Unterricht hinaus prägenden Bestand in den Köpfen der Exkursionsteilnehmer haben werden.