Segnung Thomashaus durch Bischof Michael Gerber

Bischof besucht die Stiftsschule


 „Michael Gerber zum ersten Mal in der Stiftsschule“ hieß es auf den Plakaten, die den Besuch des Bischofs der Stiftsschulgemeinde ankündigte.  Dass hoher Besuch erwartet wurde, zeigte aber auch  manch andere Aktivität: Die Schule und insbesondere das neue Verwaltungsgebäude wurden herausgeputzt, frischer Blumenschmuck brachte Leben in den neuen Beton, Musikgruppen probten für den Gottesdienst und späteren Empfang und Klassen und Kurse bereiteten sich auf das direkte Gespräch mit ihrem Bischof, Dr. Michael Gerber vor und die gehissten Flaggen kündeten auch nicht Schulangehörigen von einem besonderen anstehenden Ereignis.

Am 31. März 2019 wurde Dr. Gerber in sein neues Amt als Bischof des Bistums Fulda eingeführt und nun führte ihn sein Weg zum ersten Mal nach Amöneburg, den Ort von dem aus Bonifatius die Menschen missionierte, ehe er den Weg nach Fulda nahm, womit Amöneburg zumindest eine Wurzel des heutigen Bistums darstellt. Bis ins Jahr 721 reicht auch die schulische Tradition in Amöneburg zurück, denn Bonifatius gründete hier bereits eine Lateinschule. Wenn man so will, ein Vorläufer der heutigen Stiftsschule St. Johann. Allein diese historischen Bezüge sollten den neuen Bischof neugierig machen nach Amöneburg zu kommen. Fehlte also nur noch der Anlass für einen Besuch und dieser war nun die Segnung des umgebauten und erweiterten Thomas-Hauses, also des Verwaltungsgebäudes mit Sekretariat, den Räumlichkeiten für die Schulleitung, Lehrerschaft und weiteren Funktionsräumen.

Wie wichtig Dr. Gerber der Termin war, zeigte sich auch daran, dass er sich einen ganzen Tag Zeit für ‚seine‘ Stiftsschule nahm. Bischof Gerber zelebrierte zunächst in der Amöneburger Stiftskirche einen Gottesdienst an dem die Schülerinnen und Schüler ab der Klasse 8 teilnahmen. In seiner Ansprache verdeutlichte, dass ihn ähnliche Themen wie die Schülerschaft bewegen. So nannte er den Klimawandel und den Frieden im Nahen Osten und Nordafrika als zwei der wichtigsten zu lösenden Probleme. Dies sei jedoch nicht nur Aufgabe der großen Politik, sondern jeder einzelne Mensch könne Wirkung entfalten und einen eigenen Beitrag leisten. Dies verdeutlichte Bischof Gerber mit dem Bericht über eine Reise nach Israel und in die Palästinensergebiete. Hier habe er mit 20 jungen Menschen einen Palästinenser besucht, der sich für den Frieden einsetze und die Israelis nicht als seine Feinde ansehe, obwohl er durch deren illegale Siedlungen immer stärker bedrängt werde. Bischof Gerber zur Seite standen in dem Gottesdienst die Schulseelsorger Christina Jung und Dr. Paul Lang. Für den feierlichen musikalischen Rahmen sorgten Hartmut Raatz und Jakob Tollerian mit ihren Musikern und Sängern.

Im Anschluss kam es dann zur Begegnung mit den Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 bis 7. Die Schüler waren sehr interessiert an sehr persönlichen Themen wie dem Lieblingsverein des Bischofs, seinem Lieblingsessen und seinem Alter. Er verriet denn auch, dass er erst wenige Tage zuvor seinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert hatte, was dazu führte, dass die Schüler spontan ein Geburtstagsständchen anstimmten. Michael Gerber verriet auch, dass er Anhänger des SC Freiburg ist und die Familie von Joshua Kimmich kennt. Die Antwort auf die Frage nach dem Lieblingsessen blieb der Bischof jedoch schuldig, denn er habe die Sorge, dass er dann bei allen Besuchen immer sein Lieblingsessen bekäme und es dann nicht mehr sehen könne.

Die Jahrgangsstufe E hatte den Bischof ebenfalls „exklusiv“ für sich und nutzte das Gespräch auch für persönliche Fragen.  Michael Gerber beschrieb beispielsweise seinen Weg und die Entscheidung Priester zu werden. Der Weg in das Priesteramt sei ihm schon früh klar gewesen und sei immer wieder durch verschiedene Ereignisse bestärkt worden, wie zum Beispiel die schwere Zeit als seine Mutter schwer erkrankt war und er im Glauben Halt fand.

Natürlich musste er auch Rede und Antwort stehen zu kritischen Fragen, wie zum Beispiel nach der Haltung der Kirche zu homosexuellen Partnerschaften oder den Beteiligungsmöglichkeiten von Frauen in der Kirche.

Letzter Programmpunkt war dann endlich die Segnung des Thomashauses. Zunächst stellte die verantwortliche Architektin Anne Zahnwetzer vom Architekturbüro artec das Gebäude aus baulicher Perspektive vor. Die Festansprache hielt die leitende Schulamtsdirektorin i.K. Julia Metzger, die insbesondere auch noch einmal verdeutlichte, dass das Engagement und Investment des Bistums belege wie wichtig dem Bistum seine Schulen sind. Außerdem dankte sie auch dem Land Hessen, das mit 360.000 € Fördermitteln aus dem Kommunalinvestitionsprogramm KIP II einen nicht unerheblichen Teil der Gesamtinvestition von 2,4 Millionen € getragen habe.

Schulleiter StD i.K. Björn Mayr ging in seinen Grußworten auf den Namenspatron des Hauses, Thomas von Aquin, ein. Außerdem verkündete er, dass das Haus nun wie die anderen Gebäude ebenfalls ein Zitat seines Namensgebers erhalte. Für das Thomashaus sei dies „Amare est velle alicui bonum“ („Lieben heißt, jemandem Gutes tun wollen.“). Dieser Sinnspruch passe in idealer Weise zu einer Schule und in diesem Fall auch hervorragend zu dem Gebäude, das von der Lehrerschaft bewohnt werde.

Die Segnung durch Bischof Gerber wurde eingerahmt in eine kleine liturgische Feier und musikalisch umrahmt von Regina Rohrer, Jakob Tollerian, Hartmut Raatz und Dennis Werwai.

Nach so viel Programm durfte ein kleines Buffet nicht fehlen und trug dann auch dazu bei, dass sich alle Beteiligten sicher gern an den Tag des ersten Besuchs von Bischof Dr. Michael Gerber an der Stiftsschule erinnern werden, dem hoffentlich noch viele weitere folgen werden.


Jan-Gernot Wichert

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