Brief an die Schulgemeinde

Liebe Schulgemeinde,

mitten in einer Krisensituation, wie sie noch niemand von uns erlebt hat, schreiben wir Ihnen und Euch aus der Stiftsschule. Die Corona-Pandemie hat derzeit alles im Griff, das Leben ist weitgehend auf die häusliche Wohnung beschränkt und nach allem, was uns Experten sagen, ist das Schlimmste noch nicht einmal erreicht und schon gar nicht bereits überwunden. Wir werden darauf eingestellt, dass die Einschränkungen unseres alltäglichen Lebens noch längere Zeit bestehen bleiben. Auch wenn die Schule nun schon in der dritten Woche geschlossen ist, will sich kein richtiges Feriengefühl entwickeln, weil die Möglichkeiten, in Urlaub zu fahren, Sport zu treiben oder die Freizeit draußen zu nutzen, fehlen. Das alles hört sich viel mehr nach Karfreitag als nach Ostern an, viel mehr nach Leidensgeschichte als nach Aufbruch.


Tatsächlich fallen erstmals seit 1945 alle Feiern der Karwoche und der Ostertage aus und selbst wenn wir nach dem normalen Ferienende am 19. April noch länger zuhause bleiben müssten, kommt darüber kaum Freude auf. Seit mittlerweile drei Wochen haben wir Schulunterricht auf Wochenplanarbeit zuhause umgestellt. Damit machen wir alle völlig neue Erfahrungen – Schüler, Eltern und Lehrer – und merken, wie schwer es doch fällt, sich auf die veränderten Verhältnisse einzustellen. Manche von Ihnen und euch spüren schon jetzt, wo sie an ihre Grenzen stoßen. Bei Ihnen, den Eltern, ist sicherlich die größte Herausforderung die Betreuung ihrer Kinder sicherzustellen und sie gleichzeitig zum Lernen anzuhalten. Für euch, liebe Schüler, geht es um die Bearbeitung der Wochenplanaufgaben und die Reduzierung der sozialen Kontakte. Für Lehrer ist es die Rückmeldung auf die Wochenplanaufgaben, die in manchen Fällen aufgrund der Fülle der Aufgaben nicht so individuell erfolgen kann, wie wir das uns alle wünschen würden. Es bleibt unklar, wie lange der Zustand noch anhält und worauf wir uns noch alles einstellen müssen. Nur die Abiturienten vermitteln uns in der Schule ein wenig Normalität, ihre Prüfungen laufen zum Glück insgesamt normal ab. Wir sind froh, dass sich die Abiturientinnen und Abiturienten diszipliniert verhalten und die Vorsichtsmaßnahmen und Verhaltensregeln beachten. Das ist für uns alle im Moment das Wichtigste, um möglichst ohne Schaden aus der Krise herauszukommen.


In der Schulleitung bewerten wir täglich die Lage neu und werden mit einer Fülle von Regelungen und Vorschriften befasst, die immer wieder neue Entscheidungen verlangen. Wir sind froh über viele positive Rückmeldungen, die uns und die Lehrkräfte erreichen und zeigen, dass unsere Schülerinnen und Schüler sich mit den Aufgaben, die sie erhalten, sinnvoll beschäftigen. Wir haben auch Verständnis für manche Signale, die uns zeigen, wie schwer einzelne damit belastet sind, die Veränderungen zu bewältigen.


Das alles ist neu und ohne Beispiel. Wir werden noch viel Kraft, vor allem aber viel Geduld brauchen, um die Krise, ihre Auswirkungen und die längerfristigen Folgen zu bewältigen. Wir setzen darauf, dass Solidarität, gegenseitige Unterstützung und Zuspruch uns helfen, eine Zeit zu überstehen, in der wir die Kontakte zueinander ganz auf Nachrichten über soziale Medien und Telefongespräche reduzieren müssen. Da will Osterstimmung nicht so richtig aufkommen, mit der wir einen Neuanfang, das Aufblühen der Natur und neues Leben verbinden. Wir werden auf dieses Gefühl in diesem Jahr noch länger warten müssen. Ein wenig geht es uns da wie den Aposteln, die auch bis Pfingsten brauchten, bis sie richtig verstanden, was das Ostergeschehen eigentlich bedeutete. Vielleicht erleben wir in diesem Jahr auch Pfingsten als ein ganz besonderes Fest – hoffen wir darauf!


Zunächst wünschen wir Ihnen und Euch alles erdenklich Gute, vor allem, dass allen ihre Gesundheit erhalten bleibt. Wir bitten Sie herzlich, die staatlichen Vorgaben sorgfältig zu beachten und dadurch zu einer Bewältigung der Herausforderungen entscheidend beizutragen. Wir wünschen Ihnen viel Geduld, Nachsicht mit Unzufriedenheit, viel Freude an den kleinen Dingen des Alltags und Gottes Segen für eine hoffnungsvolle Zukunft. 


Für die Schulleitung, 


Björn Mayr 

Schulleiter 

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