Jubiläumsjahr 2010

Was macht eine gute Schule aus?

Im Rahmen des Jubiläums hatte die Stiftsschule am Dienstag, dem 20.4.2010, zu einer Podiumsdiskussion über „Anforderungsprofile für eine gute Schule“ in die Aula geladen, an der unter Moderation des Schulleiters OStD Hans-Georg Lang für den Schulträger LSAD Winfried Engel, für die staatliche Schulaufsicht LSAD Gerhard Müller und als Vertreter der Elternschaft Dr. Ortwin Schuchardt teilnahmen.


 

Jede Schule sieht sich selbst als gute Schule, möchte aber auch von außen ebenso gesehen und öffentlich so beurteilt werden. Woran dies gemessen wird, richtet sich zunächst einmal nach dem Blickwinkel und den Erwartungen jedes einzelnen Betrachters. So war schon zu Beginn schnell Einigkeit unter den Diskutanten darüber hergestellt, dass es die eine gute Schule nicht gibt, dass aber sehr wohl Merkmale benannt werden können, die gute Schulen auszeichnen. Sowohl das Land Hessen als auch die Deutsche Bischofskonferenz haben solche Kriterien formuliert.


In seinem Eingangsstatement hob der Leiter der Schulabteilung im Bischöflichen Generalvikariat Fulda, LSAD Winfried Engel, drei Qualitätskriterien besonders heraus:



  1. Achtung vor der personalen Würde des Kindes
  2. Durchdringung von Glaube, Kultur und Leben im Handeln und Wirken
  3. Selbstverständnis der katholischen Schule als Erziehungsgemeinschaft


Der Leiter des Staatlichen Schulamtes des Landkreises Marburg-Biedenkopf, LSAD Gerhard Müller, stellte zunächst den Prozess des Unterrichts und die Person des Schülers in den Mittelpunkt seiner einführenden Stellungnahme und verwies auf die Kriterien des Hessischen Referenzrahmens Schulqualität.
Ausgehend von Fragen des Schulelternbeiratsvorsitzenden Dr. Ortwin Schuchardt nach der Konkretisierung der genannten Kriterien im Unterrichts- und Lebensalltag der Schule entwickelte sich eine muntere Diskussion über die Verwirklichung von Programmen und Zielsetzungen, über Möglichkeiten der Selbstbestimmung profilbildender Kriterien bzw. deren Abhängigkeit von äußeren, auch bildungspolitischen Gegebenheiten wie Schulzeitverkürzung, zentralen Abschlussprüfungen und Ausrichtung an Bildungsstandards und Kompetenzen.
Auch die Frage nach der Überprüfung und der Messbarkeit von Schulqualität war Thema der Diskussion, die von einem interessierten Publikum aufmerksam verfolgt wurde. Im Gespräch darüber, wie die Qualität einer Schule weiterentwickelt und entfaltet werden kann, kamen zusätzliche Aspekte zur Sprache. Diskutiert wurden dabei u. a.,



  • inwieweit eine Schule die durch die Rahmenbedingungen gegebenen Möglichkeiten zur Entwicklung und Förderung der Schülerpersönlichkeiten nutzt,
  • wie Prozesse der Entwicklung und ihre Umsetzung organisiert sind,
  • welche Mitwirkungsmöglichkeiten für die einzelnen Teilgruppen und Gremien der Schulgemeinde es gibt und welches Schulklima sich aus ihrem Zusammenwirken entwickelt.


Die Abschlussplädoyers dokumentierten ein hohes Maß an Übereinstimmung der Diskutanten darüber, dass es kein Patentrezept für eine gute Schule geben kann. Sie wird aber dort zu finden sein, wo alle Gruppen der Schulgemeinde gemeinsam in der ständigen Weiterentwicklung der Schule zusammenwirken und daraus ein hohes Maß an Identifikation mit der Institution entsteht. Für eine gute Schule in kirchlicher Trägerschaft darf dabei eine religiöse Durchdringung des Schullebens erwartet werden.
Text: Ma, Bilder: Mayr