Amöneburg (gw). Kurz vor Weihnachten wurde noch unterrichtet im Rabanushaus der Stiftsschule St. Johann auf dem 365 Meter hohen Gipfel des Bergs Amöneburg. Doch am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien war weniger Geistes-, dafür Muskelkraft der Schüler gefragt.
230 Schüler der fünften und sechsten Klassen der kirchlichen Privatschule des Bistums mussten ihr Schulgebäude gegenüber der Stiftskirche räumen. Der Grund: Das Gebäude aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wird bis Dezember dieses Jahres grundlegend saniert und umgebaut.
Einige Sorgenfalten im Gesicht des Schulleiters Hans-Georg Lang sind nicht zu übersehen. Das Sanierungsprojekt ist nicht nur aufwändig, sondern auch kostspielig. Außerdem verlangt es bauplanerisches und auch großes schulorganisatorisches Geschick. Zwei Millionen Euro wird die Sanierung des Rabanushauses kosten. Das Land Hessen unterstützt den Schulträger mit 1,1 Millionen Euro aus den Mitteln des Konjunkturprogramms.
„Das Gebäude wird in seinen Rohbauzustand zurückversetzt", erläutert Lang. Der Grund ist nicht nur, dass im Innern etliche Wände versetzt oder neue räumliche Gliederungen vorgenommen werden. „Es muss in das bestehende Gebäude aus brandschutzrechtlichen Gründen ein komplettes Treppenhaus eingebaut werden", beschreibt er einen Teil der Baumaßnahmen. Gefordert wurde dies von der Bauaufsicht. Die hatte bemängelt, dass bisher nicht ausreichend Fluchtwege für alle Räume und Bereiche erreichbar gewesen waren.
Bei der Besichtigung des leeren Gebäudes wird klar, dass das Rabanushaus dringend sanierungsbedürftig ist. Ursprünglich zum Wohnen für Schüler, Schulleiter und Ordensfrauen gebaut, war das Haus seit Ende der 1970er Jahre zum Unterrichten von acht Schulklassen genutzt worden. Außerdem befanden sich bisher in dem Gebäude zwei Konferenzsäle, Bastel-, weitere Fachräume, eine Bibliothek, eine große Lehrküche sowie die Schulkapelle.
Doch nicht nur die brandschutzrechtlichen Auflagen, sondern auch der „nagende Zahn der Zeit" machten die Um- und Einbauten in dem bisher in seinem Innern nur provisorisch für die schulische Nutzung umgestalteten Gebäude erforderlich. „Es geht darum, die heute für Schulen geltenden Sicherheitsstandards zu erfüllen. Außerdem werden sämtliche Installationen im Elektro-, Sanitär- und Lüftungsbereich neu eingebaut. Und dann kommen noch die üblichen Sanierungen dazu sowie die räumlichen Umbauten", beschreibt der Schulleiter die Planungen. „Das Gebäude wird so den Erfordernissen einer modernden Schule, besonders mit Blick auf das achtjährige Gymnasium, angepasst." Dazu gehöre auch die Schaffung von Aufenthalts- und Gruppenarbeitsräumen sowie „die ansprechende Gestaltung der künftig multifunktional nutzbaren Konferenzsäle im Erdgeschoss".
Für das Jahr 2010 bedeutet es: In der Stiftsschule muss enger zusammengerückt werden. Lang: „Der Unterricht geht im vollen Umfang weiter." Dazu wird der vorhandene Raum der Schule intensiv genutzt. „Eine ,Containerlösung', wie sie diskutiert wurde, kam für mich nicht in Frage", sagt der Direktor. Die ersten Wochen zeigen, dass sich Schüler und Lehrer der Stiftsschule mit dem vorübergehenden beengten Zustand zu arrangieren verstehen. Lang: „Es klappt ganz gut, auch wenn ich da und dort noch etwas nachsteuern muss."
Von dem Umbau weitgehend unberührt bleibt die bereits sanierte Schulkapelle im Rabanushaus. „Sie ist zurzeit stillgelegt aber im April, zu Ostern, wollen wir dort wieder Gottesdienst feiern", sagt Direktor Lang.
Der Umbau des Rabanushauses fällt in das Jubiläumsjahr Stiftsschule, bremst jedoch Elan der Schulgemeinde nie wie das Festprogramm zeigt (siehe BB Nr. 4).
Bericht und Fotos: Günter Wolf
Quelle: Bonifatiusbote vom 31. Januar 2010