Willkommen auf den Seiten der Stiftsschule, AmöneburgTimothée de Fombelle, Tobie Lolness: Ein Leben in der SchwebeWer sich erst einmal in den ersten Band dieser spannenden Geschichte eingelesen hat, der greift sofort auch zum zweiten, denn das Schicksal dieses 13 Jahre alten Jungen ist außergewöhnlich und faszinierend. Auch wenn wir uns in einer Phantasiewelt bewegen, in der ein ganzes Volk auf einem Baum wohnt, was nur möglich ist, weil alle Mitglieder entsprechend klein sind, erleben wir doch das, was auch im menschlichen Leben passieren kann, denn Tobie lebt in einem Staat, der sich zum Schlechten verändert. Geld- und machtgierige Elemente nehmen rapide zu, die bis dahin weise demokratische Verfassung wird gewaltsam zunächst unterhöhlt, dann ganz offen außer Kraft gesetzt und, wer sich dagegen wehrt, wird zu Zwangsarbeit verurteilt, ins Exil gejagt oder gar getötet.
Tobies Vater ist ein angesehener Erfinder, verheiratet mit einer Frau aus dem höchsten, reichen Adel des Landes. Sie sind die liebevollsten Eltern, die man sich denken kann, ganz im Gegensatz zur herrschsüchtigen, raffgierigen Großmutter. Als der Vater eines Tages ein Spielzeug erfindet, das von alleine laufen kann, gerät er in die Fänge der Wirtschaftsmacht, die sein Wissen verwenden will, um noch mehr Profit aus dem Eichbaum zu schlagen, den sie alle bewohnen. Sie suchen nach einer Kraft, mit der sie ihn aushöhlen können, ohne das Volk und seine Nachbarn weiter versklaven zu müssen. Das machen sie natürlich nicht aus Mitmenschlichkeit, sondern aus reiner Gier. Dabei hat Tobies Vater schon vor langer Zeit durch detaillierte Untersuchungen herausgefunden, dass Raubbau an der Grundlage ihres Lebens betrieben wird, dass der Baum geschwächt ist und irgendwann nicht mehr imstande sein wird, sich zu regenerieren. Aber niemand aus der neuen korrupten Herrschaft hört auf ihn und, als er sich weigert, sein Wissen für ihren perfiden Nutzen preiszugeben, verbannen sie ihn und seine Familie in die untersten Regionen des Baumes, wo es ständig dunkel und nass ist und ihnen nur eine notdürftige Hütte zum Wohnen bleibt. Dennoch wird diese Zeit für Tobie zu einer wunderbaren Kindheit, auch wenn er sich ständig die Socken auswringen muss und vor Kälte zittert. Er hat in dieser unwirtlichen, einsamen Gegend jede Freiheit umherzustrolchen, Kraft und Geschicklichkeit zu entwickeln, Wendigkeit und Selbstvertrauen und seine Überlebensfähigkeiten zu trainieren. Diese stetig sich entwickelnden Fähigkeiten hat er dann aber auch bitter nötig, als seine Eltern anlässlich der Beerdigung der Großmutter illegal in die oberen Regionen des Baumes zurückkehren und dort verraten und als Staatsfeinde verhaftet und mit dem Tode bedroht werden. Nur Tobie kann fliehen, durch einen geheimnisvollen Spruch des Vaters auf einen schier unmöglich scheinenden Fluchtweg verwiesen und mit Hilfe einer ebenso unverständlichen Handlung ausgestattet mit dem Wertvollsten, das dieser Staat besitzt, dem „Herz des Baumes“. Damit aber steht Tobie auf seiner Flucht an oberster Stelle der gesuchten Staatsfeinde. Um wirklich auch jeden Helfer zu mobilisieren, verbreitet die Regierung grässliche Verleumdungen über ihn und seine Familie. Völlig auf sich allein gestellt, von den fürchterlichsten Häschern bedrängt, bietet Tobie alle Geschicklichkeit, allen Mut und Durchhaltevermögen, aber auch Vorausschau, Mitdenken, Intelligenz auf, um in die unteren Regionen des Baumes zurückkehren zu können, wo er sich in Sicherheit wähnt. Dort will er erst einmal eine Weile untertauchen. Aber selbst da hat die Schreckensmacht schon Einzug gehalten. Die wenigen vorhandenen Gehöfte sind ausgebrannt, Suchtrupps durchstreifen das Land, Tobie bringt, wenn er bleibt, alle Freunde in Gefahr, die er hier gewonnen hat, vor allem Elisha, das gleichaltrige Mädchen und ihre Mutter. Schweren Herzens entschließt er sich, zu ihrem und dem eigenen Schutz den Baum zu verlassen, aber erst, nachdem sie gemeinsam einen tollkühnen Rettungsplan zur Befreiung der Eltern von Tobie in die Wege geleitet haben. (UK) Timothée de Fombelle, Tobie Lolness, Die Augen von ElishaNach zwei Jahren Abwesenheit kehrt Tobie aus dem Grasland auf die alte Eiche zurück, in der sein Volk lebt, aber die Schreckensherrschaft von Leo Blue und Jo Mitch lastet mit eiskalter Faust auf allen. Die Vernichtung der Baumwelt ist auf erschreckende Weise fortgeschritten. Zwar regt sich im Untergrund Widerstand, aber die Brutalität der Herrscher ist zu groß, als dass mehr als nur einzelne kleine Aktionen geplant und allzu oft auch nicht erfolgreich durchgeführt werden können. Tobie sieht sich schon auf den unteren Ästen seiner Heimat einer völlig versklavten Bevölkerung gegenüber, Freunden, die ihm nicht mehr helfen können. Aber er ist zu allem entschlossen wiedergekommen. Er will seine Welt retten und auch die tödliche Gefahr abwenden, die den Menschen des Graslandes von den Verbrechern aus dem Baum her droht. Und er will Elisha retten. Sie wurde während der Zeit seines Exils entführt und soll ausgerechnet Leo Blue heiraten, Tobies ehemaligen besten Freund in seinen frühen Jahren oben im Baum, der allerdings seit seiner Flucht sein Erzfeind geworden ist. Noch vermag sich Elisha gegen Leo zu wehren. Noch reicht die rätselhafte Zuneigung, die dieser sonst so eiskalte Herrscher zu ihr gefasst hat, dazu aus, sie nur heiraten zu wollen, wenn sie freiwillig zustimmt. Aber wie lange noch wird er Geduld haben? Womit ließe sich Elisha eine „Einwilligung“ abpressen?
Es ist faszinierend, sich der fremden und doch so vertraut scheinenden Welt von Tobie Lolness auszusetzen, mit ihm unvorstellbare Gefahren zu erleben, Hoffnungen scheitern und sich erfüllen zu sehen, den Wettlauf mit der Zeit zu fühlen und zu erleben, welche Möglichkeiten auch im Kleinen verborgen sind. Tobie Lolness ist ein so sympathischer Held und seine Geschichte ist so faszinierend, dass man sich nur ungern am Schluss aus seinem Leben verabschiedet. (UK) |
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