Presse
Deutsch ist der Schlüssel zur Integration
Amöneburger Schüler diskutierten mit Abgeordneten über Migration, Ausländer und die deutsche Politik
Amöneburg. Passend zum 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommen hatte der Leistungskurs zur Podiumsdiskussion eingeladen, an der rund 100 Schüler der Jahrgangsstufe 13 teilnahmen.
Das Podium war gut besetzt. Neben dem Bundestagabgeordneten Sören Bartol (SPD) nah men die Landtagsabgeordneten Hans-Christian Mick (FDP) und Mürvet Otztürk (Bündnis 90 Die Grünen), der Kreistagsabgeordnete Adnan Yildirim (Die Linke), sowie Timmo Scherenberg vom Hessischen Flüchtlingsrat und der aus dem Togo stammende Inhaber eine Übersetzungsbüros Sherif Korodowou dort Platz.
Nur der Platz, der für den stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Hessischer Landtag, Hans-Jürgen Irmer, reserviert war, blieb leer. Er hatte kurzfristig abgesagt. Gut vorbereitet nahmen die Moderatoren Philipp Bangert, Lenard Berwanger und Marcel Mayer, alle Schüler des Leistungskurses, auf dem Podium Platz.
„Haben die Parteien und ha-)en wir in der Ausländer- und Integrationspolitik versagt?", diese Frage hatten die Schüler m Vorfeld den Beteiligten gestellt. "Die Politik hat alles falsch gemacht", lautete die Antwort von Mürvet Ötztürk (Bündnis 10/Die Grünen), die von den
Moderatoren als Einstieg in das Thema vorgelesen wurde. Vierzig Jahre lang habe die Politik die Anerkennung verweigert, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei, sagt Ötztürk.
Hans-Christian Mick (FDP) betonte: „Wir haben nicht versagt, es gibt mehr Fälle einer gelungenen Integration als einer gescheiterten". Sören Bartol (SPD) sah ein Versagen der Politik darin, das man jahrzehntelang verleugnete, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist.
Mit einem Zitat von Angela Merkei antwortete Adnan Yildirim (Die Linke), Sherif Korodowou sagte „Jein": Schlecht sei, dass es auch heute noch zu wenige Vorbilder für Migranten in Führungspositionen gebe. Gut fand er hingegen, dass das Thema kontrovers diskutiert werde.
Timmo Scherenberg vom Hessischen Flüchtlingsrat sagte: „Auch heute noch wird die Flüchtlingspolitik von starken Abwehrgedanken geprägt."
Kurze, eingespielte Filmszenen, beleuchteten im Verlauf der zweistündigen Diskussion verschiedene Facetten der Integration, auch vom Standpunkt der nachfolgenden Generationen aus. Ergänzt wurden die filmischen Beiträge mit Informationen von Sherif Korodowou zum Schicksal der aus dem Togo stammenden Familie Kpakou, die in Cölbe lebte und bis auf den erkrankten Vater das Land verlassen musste.
Dem schloss sich eine Diskussion über Asylrecht und die Punkteregelung, die die Zuwanderung nach Integrationskriterien steuert, an. Yildirim wies auf die Grund- und Menschenrechte und betonte, dass man jedem der nach Deutschland komme und fünf Jahre hier lebe, die gleichen Rechte einräumen müsse. „Viele der Asylbewerber bringen etwas mit, wir brauchen Fachkräfte und sollten ihnen gewähren zu arbeiten, das ist der Punkt, an dem wir ansetzen müssen", erklärte Mick. Sören Bartol fügte hinzu: „Wir brauchen Einwanderer, um unseren Lebensstil zu erhalten und wir brauchen Zuwanderung." Es sei arrogant zu denken, dass Leute Schlange stünden, um zu uns zu kommen.
„Kann man mit dem Doppelpass die Zerrissenheit der Menschen bündeln?", wollte eine Schülerin während einer Fragerunde wissen. Für EU-Bürger gibt es das Privileg des Doppelpasses, nicht aber für türkischstämmige Personen. „Warum nicht die Türken?", fragt Mürvet Öztürk. „Der Doppelpass ersetzt keine Integrationspolitik", betont Bartol. Auch wenn jemand auswandere, blieben die Wurzeln in dem Land. Man solle Menschen nicht in die Situation bringen, ihre Wurzeln zu verleugnen. Der Doppelpass ist etwas Normales", so Bartol.
Einigkeit herrschte darüber, dass das Erlernen der Muttersprache die Basis ist, um eine weitere Sprache erlernen zu können. Viele Migranten-Eltern unterlägen oft dem Trugschluss, ihre Kinder lernten automatisch Deutsch in der Schule. Sie meinten, sie müssten ihren Kindern Türkisch beibringen, weil ihnen sonst der Zugang in der Türkei verwehrt bleibe, berichtete Ötztürk. „Deutsch ist der Schlüssel für Integration", betonte Sherif Korodowou, der selbst sieben Sprachen spricht.
5.11.2011
Quelle: Oberhessische Presse vom 5.11.2011
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