Projekte
Haltung und Einsatz des Jemen-Chamäleons in der Schule
Einleitung
Das Jemen-Chamäleon (Chamaeleo calyptratus)
Der natürliche Lebensraum des Jemen-Chamäleons befindet sich im Südwesten der Arabischen Halbinsel und reicht von der Asir-Provinz im Südwesten Saudi-Arabiens bis hinunter in die Umgebung von Aden im Jemen. Die Chamäleons lassen sich hier keinem einheitlichen Habitat zuordnen, verschiedene Populationen unterscheiden sich auch hinsichtlich Größe und Aussehen. Das Jemen-Chamäleon besiedelt vereinzelt die schmale Küstenebene am Roten Meer (heißes Klima mit Tagestemperaturen von 30 - 40°C). Man findet es häufig an den sich anschließenden Berghängen in Höhen von 500 bis 2800m (feuchtwarmes Klima mit periodisch wechselnden Regen- und Trockenzeiten, Niederschlagsmengen von bis zu 2000mm jährlich). Weiterhin bewohnt das Jemen-Chamäleon auch die sich nach Osten hin an die Berghänge anschließenden Hochebenen mit sehr trockenem Klima und starken Tag-Nacht-Temperaturschwankungen, wo es auch mal ein Jahr gar nicht regnen kann. Hier nutzen die Chamäleons den morgendlichen Tau und den spärlichen Pflanzenwuchs als Wasserquelle.
Haltungsbedingungen
Meli unser Schul-Chamäleon lebte in den ersten Wochen in einem Terrarium mit den Maßen 30x30x50 cm. Es war sehr aktiv, neugierig und verzehrte alle angebotenen und mit Vitaminpulver eingestäubten Drosophila bzw. später Terflys. Doch nach der zweiten Häutung war Meli plötzlich auffallend inaktiv und die Bewegungskoordination der Beine war gestört. Ein Besuch bei einem Tierarzt, der sich mit Chamäleons auskannte, brachte die Diagnose "beginnende Rachitis", d.h. es bestand ein Mangel an Vitamin D, so dass das Knochenwachstum nicht normal ablief. Er riet mir die UV-Bestrahlung, die ich nach ausgiebigem Literaturstudium auf zwei Stunden pro Tag begrenzt hatte, auf mindestens acht Stunden zu erhöhen und dem Tierchen zusätzlich in Wasser gelöstes Korvimin ZVT mit der Pipette zu verabreichen. Diese Ratschläge haben wir befolgt und konnten die weitere Entwicklung unseres Chamäleons somit positiv beeinflussen. Auch heute noch, ein Jahr später, achten wir auf eine ausreichende Vitaminversorgung und UV-Licht-Bestrahlung.
Zur Zeit hat Meli eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 14cm und lebt in einem Terrarium mit den Maßen 60x60x80cm. Die Seitenwände sind mit Korkplatten beklebt. An grünen Pflanzen befinden sich ein Ficus benjaminii und ein Ficus pumila im Terrarium. Nach oben hin ist das Terrarium durch eine Gaze-Abdeckung begrenzt durch die hindurch zwei Strahler das Tier und die Pflanzen mit Licht und Wärme versorgen, die aber auch für eine gute Belüftung sorgt. An einer für das Chamäleon unerreichbaren Stelle der Rückwand, befindet sich außerdem eine 10-Watt-UV-Röhre. Somit erreicht man im Terrarium Temperaturen, die tagsüber (je nach Aufenthaltsort des Tieres) zwischen 24 und 30°C liegen und nachts (bei ausgeschalteter Beleuchtung) auf ca. 20°C abfallen. Der Bodengrund und die Pflanzen werden in der Schulzeit täglich, an Wochenenden und in den Schulferien jeden zweiten Tag gesprüht. Gefüttert wird jeden zweiten Tag mit Grillen, Fliegen oder anderen Insekten, die zuvor mit Korvimin ZVT (einem Multivitaminpulver) eingestäubt werden. Seit wir beobachten konnten, dass unser Chamäleon die jungen Triebe des Ficus benjaminii abweidet, bieten wir zusätzlich jeden Tag Eisbergsalatstückchen an, die Meli mir oft aus der Hand nimmt und verschlingt.
Das Jemen-Chamäleon - ein Tier für die Schule?
Argumente für eine Tierhaltung in der Schule gibt es viele - siehe dazu Keller (2002, S. 6/7). Aber ein exotisches Tier wie das Jemen-Chamäleon in der Schule? Das entscheidende Kriterium für eine positive Beurteilung dieser Frage liegt meines Erachtens in der Problematik: Ist es möglich ein Jemen-Chamäleon unter Schulbedingungen artgerecht zu halten und für unterrichtliche Zwecke einzusetzen, ohne dem Tier in irgendeiner Form Schaden zuzufügen?
Zunächst einmal ist es sehr positiv, dass es spezielle Literatur und vielfältige Haltungsberichte zu dieser Tierart gibt (z.B. Schmidt 1999), was natürlich eigene Erfahrungen nicht ersetzen kann. Bezüglich der Haltung unter Schulbedingungen müssen laut Keller (2002, S. 9/10) vor allem die Einsatzmöglichkeiten im Unterricht (s.u.), der Aufwand für die Haltung, die Kosten für die Anschaffung und Haltung und die Robustheit bedacht werden.Während der Schulzeit ist die Haltung recht unproblematisch, die notwendigen Pflegearbeiten Kot entfernen, füttern, sprühen) lassen sich während der Pause und in Freistunden durchführen. Über das Wochenende bleibt das Chamäleon alleine. Vor den Schulferien erstelle ich einen Plan, so dass gewährleistet ist, dass jeden zweiten Tag ein Schüler oder Lehrer in die Schule kommt, um das Chamäleon und die anderen Tiere des Schulvivariums zu versorgen. Die Anschaffungskosten hielten sich in Grenzen und wurden von der Schulleitung getragen: ein kleines Chamäleon kostet ca. 40 Euro, das Terrarium (ohne Einrichtung) kostete 80 Euro.
Einsatzmöglichkeiten im Unterricht
Darüberhinaus ist das Chamäleon aufgrund seines Aussehenes sehr faszinierend und motiviert zu eingehender Beschäftigung mit Körperbau und Lebensweise dieses Tieres.
Zur Demonstration des Beutefangs setze ich Meli auf einen Holzstab, der an zwei Stativen befestigt ist. Ich biete ihm in einer Plastikschale einige Grillen an, die er dann sehr zuverlässig fängt. Mit diesem Aufbau lässt sich der Ablauf der Instinkthandlung (ungerichtetes bzw. gerichtetes Appetenzverhalten, Endhandlung) erarbeiten und es drängt sich die Frage auf: Wie passt so eine lange Zunge in so ein kleines Maul? Konkrete Unterrichtsvorschläge und -materialien zu dieser Thematik finden sich bei Kupfer (in UB 296, S. 35 - 40).
Lohnenswert ist auch die Beschäftigung mit dem Lebensraum im Jemen und darauf aufbauend mit der Lebensweise bzw. den Anpassungen des Tieres. Hier beobachten die Schüler Besonderheiten des Körperbaus, wie z.B. die Greiffüsse, den Greifschwanz, die Augen, die unabhängig voneinander bewegt werden können, aber auch Verhaltensweisen wie das Verstecken hinter einem dünnen Ast, wobei das Chamäleon seinen Rumpf extrem in seiner Form verändern kann.
Resümee
Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass unser Jemen-Chamäleon das Tier unseres Schulvivariums ist, das am meisten Interesse bei den Schülern hervorruft. Darüber hinaus bietet es viele Ansatzpunkte für einen "lebendigen" Unterricht. Demgegenüber steht der Aufwand für die Pflege - es muss mindestens jeden zweiten Tag gesprüht und gefüttert werden, was allerdings bei uns aufgrund der verantwortungsvollen Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern kein Problem darstellt. Insofern kann ich das Jemen-Chamäleon als enorme Bereicherung für eine Schule im Allgemeinen und den Biologieunterricht im Besonderen empfehlen.
Literatur
Keller, H.:
Praktischer Unterricht Biologie - Tierhaltung in der Schule. Klett-Verlag, Stuttgart 2002.
Kupfer, K.:
Das Chamäleon - ein Anpassungskünstler. In: Unterricht Biologie 296, 2004, S. 35-40.
Rauh, J.:
Grundlagen der Reptilienhaltung. Natur und Tier-Verlag, Münster 2000.
Schmidt, W.:
Chamaeleo calyptratus. Natur und Tier-Verlag, Münster 1999. Schmidt, W., u.a.: Chamäleons - Drachen unserer Zeit. Natur und Tier-Verlag, Münster 2000.Aktuelles
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