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Artikel erschienen in der DATZ (Die Aquarien- und Terrarienzeitschrift 12/2004 S. 40-42).

Haltung und Einsatz des Jemen-Chamäleons in der Schule

Bernd Steinebach

Einleitung

Innerhalb der großen Gruppe der Reptilien stellen die Chamäleons mit ihrem bizarren Aussehen und ihren Besonderheiten eine faszinierende Tiergruppe dar. Allerdings galten bzw. gelten sie teilweise heute noch als heikle oder gar als unhaltbare Terrarientiere. Dies hat sich in den letzten 20 Jahren langsam geändert. Das Wissen über die Haltungsbedingungen einiger Arten ist enorm angewachsen, so dass Schmidt (1999, S. 4) formuliert: "Insbesondere das Jemenchamäleon erwies sich als leicht zu pflegende und zu vermehrende Art und stellt heute folglich einen geradezu idealen Terrarienpflegling dar." Derartige Informationen sowie Gespräche mit chamäleonerfahrenen Terrarianern haben mich zu dem Versuch ermutigt ein Jemen-Chamäleon in unserem Schulvivarium zu halten. Im folgenden werde ich von meinen Erfahrungen bei der Haltung von Meli, unserem Jemen-Chamäleon, berichten.

Das Jemen-Chamäleon (Chamaeleo calyptratus)

Chamaeleo calyptratus gehört zu den großen Chamäleonarten. Die Männchen werden größer als die Weibchen und erreichen eine Gesamtlänge von ca. 50 cm. Im Vergleich zu den Weibchen verfügen die Männchen auch über eine breitere Farbskala und einen größeren Helm. In der verfügbaren Literatur findet man viele Informationen über die Haltungsbedingungen, die sich aus den natürlichen Lebensbedingungen ergeben.
Der natürliche Lebensraum des Jemen-Chamäleons befindet sich im Südwesten der Arabischen Halbinsel und reicht von der Asir-Provinz im Südwesten Saudi-Arabiens bis hinunter in die Umgebung von Aden im Jemen. Die Chamäleons lassen sich hier keinem einheitlichen Habitat zuordnen, verschiedene Populationen unterscheiden sich auch hinsichtlich Größe und Aussehen. Das Jemen-Chamäleon besiedelt vereinzelt die schmale Küstenebene am Roten Meer (heißes Klima mit Tagestemperaturen von 30 - 40°C). Man findet es häufig an den sich anschließenden Berghängen in Höhen von 500 bis 2800m (feuchtwarmes Klima mit periodisch wechselnden Regen- und Trockenzeiten, Niederschlagsmengen von bis zu 2000mm jährlich). Weiterhin bewohnt das Jemen-Chamäleon auch die sich nach Osten hin an die Berghänge anschließenden Hochebenen mit sehr trockenem Klima und starken Tag-Nacht-Temperaturschwankungen, wo es auch mal ein Jahr gar nicht regnen kann. Hier nutzen die Chamäleons den morgendlichen Tau und den spärlichen Pflanzenwuchs als Wasserquelle.

Haltungsbedingungen

Da die Abstammung unseres Chamäleons nicht soweit nachvollziehbar war, dass man es einer der oben angedeuteten Populationen zuordnen könnte, waren die Haltungsbedingungen für uns zunächst nicht exakt zu eruieren. Durch häufige Verhaltensbeobachtungen nach dem Sprühen der Pflanzen, beim Füttern und bei der Gabe von Wasser mittels einer Pipette, bekamen wir mit der Zeit das nötige Gefühl für die Bedürfnisse des Tieres.

Das Jemen-Chamäleon - ein Tier für die Schule?

Argumente für eine Tierhaltung in der Schule gibt es viele - siehe dazu Keller (2002, S. 6/7). Aber ein exotisches Tier wie das Jemen-Chamäleon in der Schule? Das entscheidende Kriterium für eine positive Beurteilung dieser Frage liegt meines Erachtens in der Problematik: Ist es möglich ein Jemen-Chamäleon unter Schulbedingungen artgerecht zu halten und für unterrichtliche Zwecke einzusetzen, ohne dem Tier in irgendeiner Form Schaden zuzufügen?

Zunächst einmal ist es sehr positiv, dass es spezielle Literatur und vielfältige Haltungsberichte zu dieser Tierart gibt (z.B. Schmidt 1999), was natürlich eigene Erfahrungen nicht ersetzen kann. Bezüglich der Haltung unter Schulbedingungen müssen laut Keller (2002, S. 9/10) vor allem die Einsatzmöglichkeiten im Unterricht (s.u.), der Aufwand für die Haltung, die Kosten für die Anschaffung und Haltung und die Robustheit bedacht werden.
Während der Schulzeit ist die Haltung recht unproblematisch, die notwendigen Pflegearbeiten Kot entfernen, füttern, sprühen) lassen sich während der Pause und in Freistunden durchführen. Über das Wochenende bleibt das Chamäleon alleine. Vor den Schulferien erstelle ich einen Plan, so dass gewährleistet ist, dass jeden zweiten Tag ein Schüler oder Lehrer in die Schule kommt, um das Chamäleon und die anderen Tiere des Schulvivariums zu versorgen. Die Anschaffungskosten hielten sich in Grenzen und wurden von der Schulleitung getragen: ein kleines Chamäleon kostet ca. 40 Euro, das Terrarium (ohne Einrichtung) kostete 80 Euro.

Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

Sicherlich ist die bloße Anwesenheit eines Chamäleons im Tierschauraum schon lohnenswert.
Darüberhinaus ist das Chamäleon aufgrund seines Aussehenes sehr faszinierend und motiviert zu eingehender Beschäftigung mit Körperbau und Lebensweise dieses Tieres.

Resümee

Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass unser Jemen-Chamäleon das Tier unseres Schulvivariums ist, das am meisten Interesse bei den Schülern hervorruft. Darüber hinaus bietet es viele Ansatzpunkte für einen "lebendigen" Unterricht. Demgegenüber steht der Aufwand für die Pflege - es muss mindestens jeden zweiten Tag gesprüht und gefüttert werden, was allerdings bei uns aufgrund der verantwortungsvollen Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern kein Problem darstellt. Insofern kann ich das Jemen-Chamäleon als enorme Bereicherung für eine Schule im Allgemeinen und den Biologieunterricht im Besonderen empfehlen.

Literatur

Keller, H.:
Praktischer Unterricht Biologie - Tierhaltung in der Schule. Klett-Verlag, Stuttgart 2002. Kupfer, K.: Das Chamäleon - ein Anpassungskünstler. In: Unterricht Biologie 296, 2004, S. 35-40. Rauh, J.: Grundlagen der Reptilienhaltung. Natur und Tier-Verlag, Münster 2000. Schmidt, W.:

Chamaeleo calyptratus. Natur und Tier-Verlag, Münster 1999. Schmidt, W., u.a.: Chamäleons - Drachen unserer Zeit. Natur und Tier-Verlag, Münster 2000.


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